eve neeracher

H2O  (2007)

Das Tanzsolo H2O beschreibt die Suche nach den Informationen, die im Körper gespeichert sind. H2O soll den Fluss im anatomischen Körper sicht- und empfindbar machen. Es soll versuchen, die innere Wahrnehmung durch Tanzsprache so weit wie möglich an die Außenwelt zu bringen.

Der Wasseranteil des menschlichen Körpers beträgt 70 Prozent. Meine Fragen dazu: Wie bewegt uns das in Bezug auf die Zirkulation in den Blutbahnen, im lymphatischen System, in den Muskeln und in anderen anatomischen Texturen und Mustern? Was ist Materie? Und wie erfasse ich feinstoffliche Körperanteile?

H2O ist ein Solo in puristischer Bewegungssprache: die Tänzerin agiert im Spannungsfeld zwischen ihrer inneren Musikalität und der Live-Musik. Die materielle Fragilität ihres tanzenden Körpers wird mit der technologischen Außenwelt konfrontiert, vermittelt durch die Klanginstallation von H2O.

Es werden zwei Medien gegenübergestellt: Technischer Elektro-Sound gegen die Sprache des Tänzer-Körpers. So entsteht die Herausforderung, Verbindungen zu schaffen, neue Ebenen zu finden und neue Räume zu öffnen.

In H2O verknüpfe ich eine vorgegebene, durchdachte Struktur mit Authentizität und Spontaneität, also dicht choreographierte Abläufe mit Improvisationselementen. Der Ausdruck meiner Tanzsprache ist klar, der Körper steht pur im Raum. Ich untersuche das Spiel zwischen Außenwelt und Innenwelt. Ich eröffne dem Zuschauer intime Einblicke, nehme ihn mit auf eine visuelle und akustische Entdeckungsreise. Ich schaffe eine Art Labor-Atmosphäre, ich öffne ein Experimentierfeld, in dem alles möglich ist. Ich spiele mit blinden Flecken innerhalb des Tanzes, mit Bruchstellen, die für mich als Performer unberechenbar bleiben. Ich will meine eigene Neugier neu entdecken und mich dabei durch Interaktion mit dem Zuschauer inspirieren lassen.

Mich interessiert der Moment, in dem der Reiz für den ersten Bewegungs-Impuls entsteht, wie er im Körper weiter getragen wird und wie genau er sich dann in der bewussten oder intuitiven Ausführung auf das Gegenüber, also die Präsenz des Publikums bezieht und von ihm beeinflusst wird.

Die Zusammenarbeit mit dem Musiker Andre Bartetzki ermöglicht mir einen vielschichtigen Dialog zwischen den Medien Tanz und Musik. Für mich als Tänzer und Performer bedeutet der life electronic sound von Bartetzki die Herausforderung, mich immer wieder aufs Neue mit seiner technisierten Klangwelt auseinanderzusetzen und mich mit ihr zu vernetzen.  Dabei entstehen improvisierte Momente mit Live-Sounds und differenzierten Körpersounds, die ich mit meiner Bewegung verbinde. So werden neue Landschaften aus Tanz und Musik geschaffen.

dancer/choreographer/teacher